Meine #LieblingsMarke Maria Almana

In meiner ersten Session „Über-mich-Seite“ beim Düsseldorfer Barcamp fällt mir sofort eine Frau auf: punkige Kurzhaar-Frisur, prägnante Brille und eine starke Präsenz im Leben. In der Mittagspause treffen wir uns am Curry-Stand wieder und ganz leicht entwickelt sich ein schönes Gespräch. Wir tragen zwar beide Kurzhaar, aber das Gespräch ist auf derselben Wellen-länge. Ich liebe diese Augenblicke, wenn Mensch sich echt begegnen und bereit sind, dem anderen zuzuhören. Das ist für mich großes Glück.
Am Ende des Gespräches finden wir heraus, dass sich Maria schon vor dem Barcamp – ohne mich persönlich zu kennen – zu meinem Schreibworkshop „Mit dem Leben flirten“ bei der Volkshochschule Düsseldorf angemeldet hat.
In unserer Zusammenarbeit bestätigt sich mein erster Eindruck: Maria gehört zu den wenigen Menschen, die im Augenblick leben – ohne dafür ein Konzept wie „Zen“, „Yoga“ oder „Achtsamkeit“ zu brauchen.
Und wir teilen diese Momente und Gefühle auch gerne im Netz; weil wir darüber bloggen. Demnächst sehen wir uns öfters, da wir uns als social-media-affine Digital Immigrants bei der neuen Plattform von Uschi Ronnenberg blogs50plus angemeldet haben.

Es besteht das hartnäckige Gerücht, das uns das Internet immer mehr vereinsamen lässt und wir keine Lust mehr haben, Menschen im analogen Leben kennenzulernen. Also, das können Maria und ich nicht bestätigen. 

 

Dein Business als Schlagzeile auf der ersten Seite … was stünde da?

Texte brauchen handwerkliches Können. Handwerk braucht gute Texte.
Die Texthandwerkerin hat langjährige Erfahrung in allen Kommunikationsbereichen. Und schreibt nicht nur für kreative Handwerker/innen. Die allerdings gehören zu ihren Wunschkunden.

„Ich mache mein Ding“, sagen viele Selbstständige. Was heißt das denn für dich? – Und weil wir gerade dabei sind: Erzähl uns doch auch gleich, wie du „Erfolg“ definierst.

Ich wuchs in einer Zeit auf, als das Wort „Dyskalkulie“ noch nicht erfunden war. Dass ich in Mathe fast eine 6 und in Deutsch immer eine 1 hatte, hat mir schon sehr früh klar gemacht: Text ist mit Sicherheit „mein Ding“.

Dann ist mein Vater auch noch Araber – und die haben ja schon vor Jahrtausenden das „storytelling“ erfunden. Ich bin mit unendlichen Geschichten aller Art aufgewachsen.

Die Sache mit dem Erfolg sehe ich dann auch völlig unmathematisch: Ich glaube nicht an Messbarkeit. Alles ist individuell, Erfolg liegt im Auge und im Gefühl des Betrachters, das gilt auch für Statistiken und Co. Also schaffe ich mir meine eigenen Messlatten – die sind ziemlich hoch, denn ich hab eine perfektionistische Ader. Darum liegt mein erster Erfolgspunkt immer dort, wo ich mit meiner eignen Arbeit zufrieden bin. Dieses Gefühl kann sogar ziemlich lang tragen – finde ich manchmal selbst erstaunlich. Wenn dann Lob und/oder Zufriedenheit von andrer Seite, beispielsweise von Kunden dazu kommt, war ich in meinen Augen erfolgreich. Toppen lässt sich das nur dadurch, dass ich durch meine Arbeit helfen, etwas bewirken konnte. Das ist eigentlich immer mein Ziel.

Geld gehört nie direkt zu meinen Erfolgskriterien. Allerdings kann es das Erfolgsgefühl ganz schön dämpfen, wenn ich realisieren muss, dass ich nicht angemessen bezahlt werde. Da muss ich lernen, rechtzeitig vorzubeugen – sonst wird das selbst für eine Idealistin wie mich nichts mit dem Erfolgsgefühl….

Für mich bist du ganz klar eine Marke. Siehst du dich/dein Business selbst so? – Was braucht es deiner Meinung nach, um zu einer Marke zu werden, die Kunden begeistert?

Ja, sehe ich definitiv auch so (und darum freue ich mich ungeheuer, dass du mich ausgewählt/eingeladen hast!)
Es war tatsächlich ein ziemliches Stück Arbeit, bis ich die Texthandwerkerin als „mein Ding“ erkannt, definiert und mit Leben – meinem Leben, meinen Angeboten und meinem Know-How – gefüllt hatte. Für mich macht eine gute Marke genau das aus: die Passgenauigkeit von „Marke“ und „Selbst“. Ein sehr, sehr gut sitzender, weicher Lederhandschuh…..
Genau! Ich liebe Handgearbeitetes, kreativ Gefertigtes, in allen Formen. Und hab einen Riesenrespekt vor all dem, was Handwerker jahrhundertelang an Erfahrungsschätzen gesammelt haben. Das darf nicht verloren gehen! Damit hat meine „Marke“ also gewissermaßen auch eine Mission. Das kann Sympathiepunkte geben, funktioniert aber natürlich nur unter Gleich- oder Ähnlichgesinnten. Wer diesen Gedanken nicht teilt, wird vermutlich nicht grad mich als Dienstleisterin wählen. Das finde ich sehr praktisch, trifft es doch eine gewisse Vorauswahl. Und ich hab mich damit ziemlich eindeutig „positioniert“.  Die letzten zwei Punkte finde ich für jede Marke wichtig. Das mit der „Mission“ dagegen ist sicher nicht zwingend nötig  – manchmal sogar eher hinderlich als nützlich…. Aber ich bin halt so – und es geht ja um mich als Marke. Darum ist es in Ordnung, passt Gott sei Dank auch zu meinem Angebot und dem Großteil meiner Zielgruppe.

Sehr großen Respekt habe ich auch vor Menschen, die sich in, mit und durch den eignen Namen zur „Marke“ machen. Mal ganz abgesehen davon, dass bei meinem exotischen Nachnamen immer wieder der Erklärungszwang dazu käme („ach, arabisch kann sie gar nicht, dafür deutsch umso besser!“), brauche ich diesen kleinen Schutzraum, den mir eine Wortschöpfungs-Marke bietet. Dafür hab ich mich ganz bewusst entschieden. Aber es ist eine Entscheidung, die nur Einzel-Selbstständige treffen können und hat gar nichts damit zu tun, wie gut oder schlecht eine Marke ist. Wenn es bei „Marke“ um den reinen (Firmen-)Namen geht, muss ich allerdings sagen: Auch hier haben mich immer schon die Geschichten dahinter fasziniert. Ganz banale Dinge wie „Werner und Karin gründen in ihrer Garage einen kleinen Verlag für Formulare und so“. Daraus wurde dann Weka, heute immer noch Verlag – aber riesengroß. Oder herzzerreißende Geschichten von toten Kindern, vermissten Menschen – so was gibt’s ja alles als Firmen- bzw. Marken-Namen. Muss aber natürlich zum Produkt passen. Und dann auch angemessen kommuniziert werden. Kurz: „Geschichten dahinter“ sind für mich wichtige Grundsteine funktionierender Marken.

Im weiteren Verlauf der Betrachtung einer Marke wird’s komplizierter… Ich denke: Zielgruppen sind das A und O. Von ihnen hängt alles ab. Persönlich finde ich ja die größtmögliche Marken-Transparenz (also: die Menschen „dahinter“, Produktionsbedingungen, Rohstoffe, Netzwerke und so weiter) immer die sympathischste Strategie – damit bin ich leicht zu „kriegen“. Und ich versuche das auch für meine eigne Marke zu berücksichtigen, Darum hab ich mit dem www.unruhewerk.de einen reinen Blog aufgebaut, in dem geht es um das „Älterwerden und Sichtbarbleiben“, also ganz persönliche Betrachtungen einer über 50Jährigen. Dort hab ich unter anderem mit Absicht recht ausführlich beschrieben, wie meine berufliche Entwicklung so verlief…. Mit der größtmöglichen Offenheit. Auch, damit potentielle Kunden besser einschätzen können, was sie von mir erwarten dürfen.  Aber eine solche Offenheit funktioniert sicher nicht für jedes Produkt, für alle Zielgruppen. Da wären wir dann wieder beim: „individuell muss es sein“, immer abgestimmt auf die Bestandteile „Ich“ – Kunde – Produkt – Darstellungsform. Das große Kommunikations-Einmaleins eben. So gesehen, liefere ich eigentlich mit allem, was ich tue, auch immer Beispiele für Kommunikationsarbeit – aus meiner Sicht, auf mich selbst abgestimmt.

Supertoll zu sein, ein attraktives Produkt und großartige Ideen alleine reichen nicht aus. Wie und wo machst du neue Angebote sichtbar?

Ich hab wirklich viel Zeit in den Aufbau meiner virtuellen Netzwerke investiert, von Anfang an mit der Absicht, mir dort eine Plattform aufzubauen, über die ich mich „vermarkten“ kann. Für mich ist das heut der einzig gangbare Weg – und vor allem kann ich ihn sehr gut selbst steuern, das ist mir wichtig.

Aber ehrlich gesagt, sehe ich da einen manchmal fast schon schmerzhaften Zwiespalt – das hatte ich anfangs nicht erwartet: Viele Menschen in „meinem Netzwerk“ betrachte ich mittlerweile als echte Freunde – und denen will ich natürlich nichts „verkaufen“! Für die schreibe ich, ihnen gebe ich neue Ideen und Angebote zuerst bekannt. Ich betreibe da fast ein wenig Vogel-Strauß-Politik, tu einfach mal so, als hätten die Zielgruppe meiner potentiellen Kunden und mein virtueller Freundeskreis eine ganz große Schnittmenge – was nicht unbedingt den Tatsachen entspricht…. Im Grunde hoffe ich einfach, dass es irgendwie doch so ist – schließlich kenne ich mittlerweile auf Facebook auch gar nicht mehr all meine „Freunde“. Dort und auf  Xing werden durchaus auch immer wieder Menschen auf mich aufmerksam, denen ich im echten Leben noch nie begegnet bin. Und diese Taktik hat sich an zwei Stellen tatsächlich schon positiv ausgewirkt –  in Form von klassischem Empfehlungsmarketing: „Ich kenn da jemand, der sucht grade… nimm doch mal Kontakt auf!“.
Ob das auf Dauer gut gehen kann, weiß ich noch nicht – aber ich baue mein Business ja auch grad erst auf. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke, hat dieses Verhalten aber tatsächlich auch ganz viel damit zu tun, wie ich mich als „Marke“ sehe: Ich will – auch wenn es darum geht, neue Kunden zu gewinnen – so weit als möglich „ich selber“ bleiben. Und das bin ich am ehesten, wenn ich mich mit (virtuellen) Freunden unterhalte.

Wie schreibst du, damit dir das gelingt?

Genau so, als unterhielte ich mich (schriftlich) mit virtuellen Freunden. Tatsächlich gehöre ich zu jenen Menschen, die im geschriebenen Text besser als im gesprochenen Wort „dosieren“ können, Nuancen abwägen etc. Hat schlicht was mit der Zeit zu tun…. Gesprochene Schlagfertigkeit versuche ich schon seit Jahrzehnten zu trainieren, ziemlich erfolglos, da bin ich immer die entscheidende Sekunde zu langsam. Schriftlich will ich gar nicht schlagfertig sein. Wohl aber passgenau, treffend auf den Punkt. Aber da darf ich ja auch mal eine Sekunde länger überlegen….

Ganz grob gesagt: Ich habe den unbescheidenen Anspruch, dass jede/r alles verstehen sollte, was ich schreibe. Auch wenn es sich um ganz komplizierte Sachverhalte handelt – dann erst recht!!

Gerade in den ersten Jahren der Selbstständigkeit macht man ja oft mal komische Dinge oder gerät in peinliche Momente: Mit welchem Schwank aus deiner Business-Jugend würdest du mich zum Lachen bringen?

Och, so lustig ist das gar nicht… Die meisten Menschen in meinem Umfeld bedauern meine Entscheidung für die Texthandwerkerin. Denn ich hab mich zuerst als schrill-bunte Frau fröhlich in einem Secondhand-Laden mit upcycling und Schmuck-Kunst, Selbstgemachtem und liebevoll Zusammengesammeltem alt werden sehen. Hab dafür auch schon gesammelt, Dinge  – sogar eine Schaufensterpuppe – geschenkt bekommen. Das alles lagert jetzt gut verpackt aber ziemlich traurig auf dem Dachboden eines Bauern… Wer also einen ähnlichen Traum hat wie ich damals: Bitte melden! Machen wir was draus! Ich hab es letzten Endes bleiben lassen, weil ich wirklich keinen Schimmer hab vom Einzelhandel. Und die Zahlen, das Rechnen… siehe oben!

Bei uns Selbstständigen geht es ja manchmal turbulent zu – mal rauf, mal runter. Welche innere Überzeugung, Eigenschaft oder Fähigkeit hilft dir, Krisen durchzustehen?

Eine Mischung aus Überzeugung und Hoffnung: Das wirklich Schlimme liegt bereits hinter mir. Und ich hab schon mehr als einmal bewiesen, dass ich mich am eignen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann… so was verlernt man ganz sicher nie. Darauf verlass ich mich. Aber ich hab auch diesen unkaputtbaren Optimismus… der ist eine Gabe, ein Geschenk, für das ich sehr dankbar bin. Ich hab inzwischen gelernt, dass ganz viel davon abhängt, ob es mir gelingt, diesen „Schatz“ zu bewahren….

Gibt es irgendeine Devise, die du als Kind schon verinnerlicht hast, die dir heute in der Selbstständigkeit gute Dienste erweist? – Was deine Oma immer gesagt hat oder was mit deinem Taschengeld zu tun hatte …, oft lernen wir ja früh unsere „Lektionen“ und manche bewähren sich später noch!

Ja, meine Oma war sehr klug. Einer ihrer Standardsätze: „Was du heute kannst besorgen…“ Meistens hat sie gar nicht zu Ende gesprochen, wir wussten alle, was sie sagen wollte…. „das verschiebe nicht auf morgen.“ Früher war ich da oft beleidigt, weil ich dachte, sie will damit sagen, ich sei faul. Verinnerlicht habe ich es trotzdem. Und verschiebe ich doch mal was, merke ich sofort, wie es mich ärgert, dass da was im Hinterkopf rumhängt. Und rumort, unnötig Zeit frisst. Und immer noch nicht erledigt ist…. Auf diese Weise vergesse ich selten etwas, erledige das meiste ziemlich schnell – was sicher keine schlechten Voraussetzungen für eine Selbstständige sind. Aber ich musste andererseits auch einsehen, dass dieser Anspruch an ein ständiges „Sofort“ mich komplett überfordert. Das war ein echter Lernprozess…. Nein, es geht beim besten Willen nicht immer alles sofort, liebe Oma!

Die Marke hörbar machen. Wenn dein Lieblingsmusiker deiner Marke einen Song widmen würde? Was würden wir dann hören? Heavy Metal, Popsong oder Schlager? Und welche Zeile darf auf keinen Fall im Song fehlen?

Ach herrjeh. Meinen Lieblingsmusiker, den gibt’s gar nicht. Der müsste gleichzeitig Punk- und Barockmusik machen… klar und hart. Bestimmt nicht so was wie süßliche Geigenmusik mit wild wirkender Haarpracht…. John Cale vielleicht (ich mein den Ex-Velvet-Undergroundler…) Und ich denke, es wär mal wieder Zeit für einen neuen Maria-Song. Außer dem leider auch recht sentimentalen von Debbie Harry find ich die alle unerträglich! Oder Rio Reiser wird wiedergeboren. Und der darf dann singen, was er will.

Herzlichen Dank für deine Antworten!

#LieblingsMarke

#LieblingsMarke

#LieblingsMarke ist die neue Interviewreihe von Schreibcoach Ulrike Zecher.
„Du bist meine #‎LieblingsMarkeDu bereicherst mein Leben. Macht’s es bunter, lustiger, vielfältiger. Ich lerne neue Dinge von dir, die du gerne im Netz teilst.
Du zeigst mir den Menschen hinter deiner Website und den Social-Media-Kanälen. Manchmal bringst du mich zum Staunen, zum Weinen oder zum Lachen. Und wenn du mich mal ärgerst, verzeihe ich dir das sehr schnell …
Ich möchte dich nicht mehr missen. Meine Leser möchten dich unbedingt kennenlernen. Ich freue mich auf deine Antworten in meinem Blog.“

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Erst deine Persönlichkeit macht dein Business einzigartig. Ich begleite Einzelunternehmer durch den gesamen Prozeß auf ihren Weg zur #Lieblingsmarke. Von der Markenberatung, über Schreib-Coaching bis hin zur fertigen Webseite bekommst du alles aus einer Hand.

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