Meine #LieblingsMarke Ruth Frobeen

Zwischen dem ganzen Marketing-Business-Sprech berührt mich Ruth Frobeens poetische Bilder- und Wortsprache jedes Mal aufs Neue. Oder ist es der Edelfrosch gewesen, der mich im Netz wach geküsst hat? Ups, ich hab’s vergessen.
Ruth verdient ihr Geld überwiegend als Übersetzerin, von Sicherheitssoftware über Outdoor-Klamotten bis hin zu Kinderfilmen liegt alles auf ihrem Tisch.
Als ich sie zu diesem Interview eingeladen habe, hat sie spontan zugesagt, obwohl sie aktuell an einem Roman schreibt und wegen der Herbstferien zwei hüpfende Töchter um sich hat. Respekt vor so viel Leichtigkeit!
Da passt es, dass bei Ruth der November LOVEMBER heißt, da arbeitet sie hauptsächlich an eigenen Projekten.
In ihrem Roman geht es um eine bekannte und von den Medien gepushte Erotikautorin, die ans Ende der Welt reist, um ein Buch über ihren toten Bruder zu schreiben. Mehr darf ich hier nicht verraten.
Früher hat Ruth Kulturwissenschaften studiert, konnte sich aber nicht für die Hauptfächer entscheiden, weil sie einfach alles spannend fand. Musik! Kunst! Philosophie! Geschichte! Sprachen! Und so weiter, das war einfach zu toll. Deshalb hat sie das Studium abgebrochen und ist zu Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaften gewechselt, da war das Ziel klar: Dipl.-Übersetzerin.

Neben der Übersetzerei ist Ruth auch Märchenautorin und Fotografin. Seit vielen Jahren liebt sie einen Geigenbauer und hat seit kurzem einen Hund hat, für den sie Gott ist. Happy End – wie im Märchen.

 

Dein Business als Schlagzeile auf der ersten Seite … was stünde da?

Das kommt natürlich sehr darauf an, wer über mein Business bzw. über mich schreibt. Ich könnte mir als Überschrift vorstellen: Die Frau und das Kaninchenloch. Und als Unterüberschrift: Von Geschichten gefesselt und dem Zauber verhaftet.
Ein gewisser Hinweis auf das Wunderland der Fantasie sollte jedenfalls erkennbar sein, denn das spielt immer eine Rolle, egal ob ich Geschichten schreibe oder fotografiere.

„Ich mache mein Ding“, sagen viele Selbstständige. Was heißt das denn für dich? – Und weil wir gerade dabei sind: Erzähl uns doch auch gleich, wie du „Erfolg“ definierst.

Mein „Ding“ ist, mit mir im Reinen zu sein. Ich bin gerne glücklich. Auf meine Arbeit gemünzt bedeutet das: Ich sorge dafür, dass genügend Geld hereinkommt, und beschäftige mich ansonsten mit Dingen, die mich wirklich bereichern.
Wenn ich damit dann auch noch andere Menschen glücklich machen kann, dann ist das für mich Erfolg! Erfolg bedeutet für mich nicht, dass ich viel Geld mit einem Job verdiene. Natürlich ist es super, wenn eine Sache viel Geld abwirft. Ich brauche nämlich Geld, damit ich mir und der Familie das Leben so einrichten kann, wie es uns gefällt.
Aber letztlich macht es mich persönlich zufriedener, wenn ich nicht zu viel fremdbestimmt arbeiten muss, sondern mich auf das konzentrieren kann, das mir wirklich am Herzen liegt: Geschichten erzählen, die sich in anderen Menschen einnisten und dort ein Zuhause finden.

Für mich bist du ganz klar eine Marke. Siehst du dich/dein Business selbst so? – Was braucht es deiner Meinung nach, um zu einer Marke zu werden, die Kunden begeistert?

Marke, das ist ein großes Wort, bei dem ich an duftige Creme denke. Mein Business besteht aus mehreren Standbeinen und ist nicht als Marke aufgebaut, denn ich mag es, mich zu verändern – aber ich als Person bin sicher eine Marke im Sinne von ungewöhnlich! Das ist gar nicht so arrogant gemeint, wie es vielleicht klingt. Als Texterin habe ich immer auch mit Markenbildung zu tun. Wie sprechen wir einen Kunden an, welche Bildsprache verwenden wir etc. Da kommt die Marke von außen und gibt dem Produkt ein touch & feel.

Für mich persönlich entscheide ich alles selbst; alles was zu meiner „Marke“ gehört, kommt von innen – auch Entscheidungen, die mit Äußerlichkeiten zu tun haben. Das bedeutet, mein Business darf sich auch verändern. Ich bin nicht an einen Styleguide gebunden und brauche keinen Marken-Relaunch, um mich neu zu erfinden.

Du fragst, was es braucht, um eine Marke zu werden, die Kunden begeistert. Da schaue ich mich mal im Zirkus um: Mich begeistert dort alles, was mich positiv überrascht. Aber auch Beständigkeit muss vorhanden sein. Wenn es im Zirkus nach Pommes riecht, statt nach Popcorn, dann passt das für mich nicht zusammen. Eine gesunde Mischung aus Bekanntem und Überraschendem ist für eine Marke sicher nicht verkehrt.

Supertoll zu sein, ein attraktives Produkt und großartige Ideen alleine reichen nicht aus. Wie und wo machst du neue Angebote sichtbar? 

Werbung ist nicht so meins, das gebe ich ehrlich zu. Das liegt vielleicht daran, dass meine Produkte und Dienstleistungen sehr eng mit meiner Person verbunden sind. Natürlich sage ich manchmal: „Hier, super Buch! Unbedingt kaufen.“ Aber da ich Werbung häufig als störend empfinde, halte ich mich damit eher zurück. Für richtig geile Werbung habe ich kein Geld. Ich habe festgestellt, dass ich die meisten Umsätze erziele, wenn ich mit neugierigen Leuten ins Gespräch komme. Das kann auf einem Barcamp sein, oder bei einer Lesung, oder auch in einer feinen Community (online oder offline).
Wenn ich jemandem von meiner Arbeit erzähle, springt häufig der Funke über und nicht selten bestellt derjenige dann ein paar Bücher oder Adventskalender bei mir. Ein Blogartikel oder auch andere Social Media-Beiträge sind direktional an ein Publikum gerichtet und verfolgen einen bestimmten Zwecke.
Ein persönliches Gespräch verfolgt auch einen bestimmten Zweck, wenn es gut läuft, ist es eher wie Ping-Pong. Der eine beginnt das Spiel, und meistens haben beide Spaß. Das kann dir auch in Social Media passieren. Aber wenn man sich die Dynamik von Twitter etc. anschaut, ist es doch häufig eine Einbahnstraße, in der alle gleichzeitig aus dem Fenster rufen. (Das war böse, ich mag Twitter.) Der Mitteilungsdrang und der Versuch, ein bestimmtes Bild von sich abzugeben, sind omnipräsent in den Netzwerken. Das langweilt mich zurzeit.

Welchen Stellenwert hat das Schreiben für dein Business?

Ich stelle die Frage mal ein bisschen anders: Wenn du mich fragst, was mich im Leben am meisten geprägt hat, ist meine Antwort: Geschichten. Ohne Geschichten kein Leben. Wenn man genau hinschaut, stellt man fest, dass alles irgendwie miteinander verstrickt ist. Dass ich Geschichten aufschreibe, liegt irgendwie nahe. Ich war schon immer ein Sachensucher und habe als Kind meinen Schrank mit allen möglichen Dingen vollgestopft. Heute sind diese Dinge ein bisschen geordneter und liegen als Geschichten auf meinem Computer.
Texte sind Gewebe aus Gedanken. Egal ob gesprochen oder geschrieben, ohne Texte sind Menschen hilflos. Ich glaube, das macht deutlich, wie wichtig Schreiben für mich ist. Durch das Schreiben sortiere ich meine Gedanken. Ein wirres Gedankenknäul, das aus Wissen, Ahnung und Gefühl besteht, wird aufgedröselt, um dann in eine gewisse Ordnung gebracht zu werden. Je nachdem, was für ein Text „gebraucht“ wird, stricke ich ihn so oder so. Und manchmal eben Freestyle, dabei kommen krasse Sachen heraus. Zurzeit schreibe ich an einem Roman. :o)

… es wird ja immer empfohlen, dass man so schreibt, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Wie siehst du das?

Das kommt ganz darauf an, für wen und was ich schreibe. Ich schlüpfe durchaus auch in den schicken Anzug und binde mir eine imaginäre Krawatte um, wenn mein Kunde das braucht. Meine Empfehlung ist, den eigenen Schnabel nicht zu wichtig zu nehmen.
Natürlich ist es toll, wenn einem die eigenen Texte anhand des Duktus zugeordnet werden können. Deine ganz persönliche Handschrift… Aber ganz ehrlich, manchmal ist das Anforderungsprofil ein anderes!

Manchmal fotografierst du eben ein Bier und es muss keine Kunst sein, sondern einfach ein Foto von einem Bier. Dann machst du das und der Kunde kann sich das Bier aufhängen und fertig.

Gerade in den ersten Jahren der Selbstständigkeit macht man ja oft mal komische Dinge oder gerät in peinliche Momente: Mit welchem Schwank aus deiner Business-Jugend würdest du mich zum Lachen bringen?

Hmmm, da fällt mir tatsächlich gar nichts ein. Ich bin eher ein vorsichtiger Mensch. (Wobei ich beim Spiel Hase und Igel gern die Risikokarte wähle…)
Einmal während des Studiums ist mir etwas Peinliches passiert. Da war ich in der Sprechstunde beim vielleicht wichtigsten Prof der Uni. Er wollte mir einen Schein aus England nicht anrechnen. Die Tür ging auf, ein anderer Professor kam rein, und ich habe in meiner Hilflosigkeit laut „Och Menno, Huber!“ gerufen. Beide waren verblüfft und dann habe ich den Stempel von der Sekretärin bekommen. Manchmal hilft es, etwas Peinliches oder Überraschendes zu machen. ;o)

Bei uns Selbstständigen geht es ja manchmal turbulent zu – mal rauf, mal runter. Welche innere Überzeugung, Eigenschaft oder Fähigkeit hilft dir, Krisen durchzustehen?

Langfristig gesehen wachse ich an Krisen. Sie können auch der schöpferischen Tätigkeit dienen. Aber ich bevorzuge, meine Kreativität aus schönen Erlebnissen und positiven Gedanken zu speisen. Als Jugendliche hatte ich eine heftige Krise, glücklicherweise bin ich daran nicht zerbrochen.
Ich habe sie durchgestanden, indem ich mich mit den Gründen konfrontiert und bestimmte Dinge, die ich nicht ändern konnte, akzeptiert habe. Stattdessen habe ich andere Dinge geändert und durfte erfahren: Ich kann alleine wieder aufstehen und einen anderen Weg einschlagen. Ein klassischer Fall von Resilienz.

Die Marke hörbar machen. Wenn dein Lieblingsmusiker deiner Marke einen Song widmen würde? Was würden wir dann hören? Heavy Metal, Popsong oder Schlager? Und welche Zeile darf auf keinen Fall im Song fehlen?

Es wäre auf jeden Fall ein Song nach der Singersongwriter-Tradition, akustisch und handgemacht. Vielleicht Klavier und Gesang. Kein melancholisches Stück; kein Drama, für das die Sängerin erstmal durch tiefes Leid gehen musste. Es wäre ein Song, der das Herz lachen lässt. Ein Lied wie ein klares, helles Vogelzwitschern, das sich einen Weg durch den Alltag zu dir bahnt, um dich zu erfreuen.

Diese Zeile darf auf keinen Fall fehlen: Walking hand in hand, like the other day in wonderland.

Liebe Ruth, herzlichen Dank für deine poetischen Antworten.

Markenbildung

#LieblingsMarke

#LieblingsMarke ist die neue Interviewreihe von Schreibcoach Ulrike Zecher.
„Du bist meine #‎LieblingsMarkeDu bereicherst mein Leben. Macht’s es bunter, lustiger, vielfältiger. Ich lerne neue Dinge von dir, die du gerne im Netz teilst. Du zeigst mir den Menschen hinter deiner Website und den Social-Media-Kanälen. Manchmal bringst du mich zum Staunen, zum Weinen oder zum Lachen. Und wenn du mich mal ärgerst, verzeihe ich dir das sehr schnell … Ich möchte dich nicht mehr missen. Meine Leser möchten dich unbedingt kennenlernen. Ich freue mich auf deine Antworten in meinem Blog.“

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Erst deine Persönlichkeit macht dein Business einzigartig. Ich begleite Einzelunternehmer durch den gesamen Prozeß auf ihren Weg zur #Lieblingsmarke. Von der Markenberatung, über Schreib-Coaching bis hin zur fertigen Webseite bekommst du alles aus einer Hand.

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