Personalreferentin für Personalauswahl

Ich weiß nicht, ob es an der Vorweihnachtszeit oder an meinem bevorstehenden runden Geburtstag liegt: ich bin gerade be-sinnlich.
Als ich im Herbst über den hiesigen Trödelmarkt schlenderte , flashte mich sofort ein roter Trecker. Er erinnerte mich an eine längst vergessene Geschichte, für die ich mich heute entschuldigen möchte …
In meinem ersten Leben als Diplom-Betriebswirtin habe ich nach meinem Studium ein paar Jahre als Personalreferentin in der Chemischen Industrie gearbeitet und war dort auch für Personalbeschaffung zuständig. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen als Bewerberin hatte ich eine klare Haltung: ich mache keine unfairen Stress-Interviews als Personalerin.

Kleines Beispiel für ein stressiges Interview gefällig? Nach meinem Studium habe ich mich bei einem Kaffeeröster hoch im Norden beworben. Nach der Anreise inklusive Übernachtung meldete ich mich am nächsten Tag pünktlich am Empfang. Man ließ mich warten. Es vergingen 15, 30 , 60 Minuten… und dann kreuzte er endlich auf. Der Personalleiter. Ohne Entschuldigung.
Nach einem kurzen Einstieg ins Gespräch schaute er erst auf mein Bewerbungsfoto, dann auf mich: „Haben Sie eigentlich nur diesen einen Blazer?“
Ich konterte schlagfertig: „Ich finde dieser Blazer unterstreicht vorzüglich meine Persönlichkeit.“ Den ockerfarbenen Blazer habe ich noch öfters angezogen, aber in diesem Unternehmen wollte ich nicht mehr arbeiten. Es gibt auch besseren Kaffee.

Stereotypen im Kopf führt zu Self-Cloning

Wir haben eine außerordentlich stereotype Selektionskultur. Und trotz Fachkräftemangels beginnen erst wenige Arbeitgeber umzudenken. Thomas Sattelberger Quelle: Tagesspiegel

Als ich hier in der Region einen Job als Personalreferentin bekam, hatte ich eine klare Haltung: Bewerbern nie wieder unfaire Fragen stellen.
Für die Abteilung Produktion suchte ich einen Maschinenbauingenieur; es stellte sich ein junger – eher introvertierter – Mann aus einer ländlichen Region vor. Blond, groß, schlaksig, schwacher Händedruck, strahlend blaue Augen. Aufgrund seines Bewerbungsschreiben fragt ich ihn nach seinen Hobbies: „Er fahre gerne Trecker in seiner Freizeit“, antwortere er. Oh, ha, wie langweilig“, dachte ich Anfang Dreißig und tapste in die klassische Personaler-Falle.
Ich fand Trecker damals ziemlich langweilig und wer das als Hobby angibt, muss auch langweilig sein.
Mein Verhalten beschreibt ein gängiges Phänomen bei der Personalauswahl – auch Self-Cloning – genannt: am liebsten stellen Personaler kleine Doppelgänger ein, die ihnen selber ähneln. Das führt nicht nur zu teuren Fehlentscheidungen, sondern auch zu fehlender Vielfalt im Unternehmen,

Dieses Jahr im Sommer, gefühlte 100 Jahre später, hat mich ein Stormarner Landwirt im schönen Sachsenwald gefragt: „Ulrike, hast du Lust Trecker zu fahren?“ Statt einer Antwort kletter ich begeistert mit meinen roten Gummistiefel in die Fahrerkabine und los geht’s.

Trecker sind ziemlich spannend, weil:

  • Trecker einen wahnsinngen Sound haben
  • Trecker ziemlich breit und hoch auf der Straße liegen
  • Trecker nicht leicht zu lenken sind
  • Trecker vielseitig einsetzbare Zugmaschine sind
  • Man mit Treckern entschleunigt reisen kann
  • Es wunderbare Oldtimer gibt
  • und weil Tractor-Pulling eine spannende Motorsportart ist

Also lieber treckerfahrender Maschinenbauingenieur von damals ich möchte mich bei dir für meine Beschränkheit entschuldigen, ich habe dir Unrecht getan. Vielleicht wärest du der kreative Bewerber gewesen, den das Unternehmen gebraucht hätte?

 

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