Gastbeitrag von: Gabriele Frings

Wie? Du schlägst nicht gern dem Kunden die Tür vor der Nase zu?! Dann sollte dein Unternehmenstext wie eine weit geöffnete Flügeltür zu deinen Leistungen und Produkten sein.

Denn merke: dein Text ist das erste, was andere von deinem Unternehmen wahrnehmen. Hier solltest du nirgendwo schludern, schon gar nicht am Schreibstil. Ein guter Unternehmenstext ist DAS Medium, mit dem du den stets fluchtbereiten Kunden über deine Eingangsschwelle locken kannst.

In diesem Artikel verrate ich dir deshalb die fünf größten Fehler, die viele Selbstständige bei Ihrem Unternehmenstext machen und sich wundern, dass die Kunden ausbleiben.

Zu jedem Fehler gebe ich dir im Folgenden Beispiele und Lösungsmöglichkeiten in Form von leserwirksamen Alternativen.

1. Mehrwert, Einzigartigkeit und andere professionelle  Floskeln 

Unsere Lösungen bringen Mehrwert für Ihre Unternehmenskommunikation. Wir schaffen Einzigartigkeit und bieten kundenorientierte Lösungen.

Die Formulierungen in diesem Unternehmenstext kommen dir bekannt vor? Mir auch. Du findest den Text zum Gähnen? Ich auch. Bei so einem Text klickt jeder ganz schnell weg. Warum? Abgesehen vom schlechten Stil enthalten die floskelhaften Formulierungen null Informationen für den Kunden. Und gerade die will er doch bekommen, und zwar möglichst konkret. Das Pikante: den Text fand ich erst neulich auf der Webseite einer Textagentur. Ja, wirklich.

Schauen wir uns noch mal die beiden oberen Sätze an. Die wichtigste Frage für den Kunden ist: worin besteht der Mehrwert konkret? Vielleicht darin:

Unsere kreativen Ideen geben Ihren Unternehmenstexten Stil und einen Rhythmus, der wie die Fuge von Bach in den Ohren des Kunden klingt.

Im zweiten Satz das gleiche: worin besteht die Einzigartigkeit? Bessere Variante:

Wir sorgen dafür, dass Ihr Unternehmenstext überraschende Bilder für den Kunden bereithält. Bilder, die im Gedächtnis bleiben. So wie Ihre Marke.

Jep! DAS möchte der Kunde wissen. Hier ist das Ziel der professionellen Unterstützung klar benannt.

Noch ein Beispiel:

Wir nehmen uns Ihrer Software-Probleme mit höchster Kompetenz an.

Hier klickt der Kunde schneller weg als du Kompetenz sagen kannst. Dabei ist es so einfach, den Kunden zum Bleiben zu bewegen, etwa mit diesen konkreten Informationen:

Wir wissen: Probleme mit der Software sind ärgerlich. Deshalb sind wir noch am selben Tag bei Ihnen vor Ort und schauen uns das Innenleben Ihres Computers genau an. Damit Sie schnell störungsfrei weiterarbeiten können.

Hier ist Bewegung drin. Du zeigst dem Kunden, dass du handlungsbereit bist. Sicher, der Text ist etwas länger. Doch keine Sorge, dein Businesstext wird nicht an Überlänge kranken. Denn wenn du deinen Text auf floskelhafte, nichtssagende Formulierungen durchkämmst, wirst du staunen, wie viel du streichen kannst.

2. Adjektive, Adjektive … ach je!

Ja, mit Adjektiven sind wir Texter schnell bei der Hand. Nur: die meisten Adjektive sind überflüssig. Du ziehst die Augenbrauen hoch, weil du meinst, du musst dein Produkt doch ausführlich beschreiben? Ok, aber bei solch einem Satz

In unserem Musterinterieur mit dem praktischen, gestaffelten Regal, dem gemütlichen, bequemen Sessel und dem edlen und eleganten Couchtisch kann man sich wohlfühlen

halluziniert der Kunde. Hier hilft nur: streichen. Wenn schon Adjektive, dann sich auf die wichtigsten Attribute, die das Produkt einzig machen, beschränken.

Auch hier solltest du dich vor Floskeln hüten wie der intelligenten Lösung (och nö, ich hätte aber lieber eine dumme Lösung) oder der hochwertigen Qualität. Richte deine Aufmerksamkeit darauf, was der konkrete Nutzen deiner Leistung für den Kunden ist. Dabei muss das Adjektiv gar nicht der üblichen Erwartung entsprechen, im Gegenteil, am besten ist es, wenn es etwas Überraschendes bringt.

Statt:

Wir bieten zielgerichtetes Marketing

könntest Du so schreiben:

Wir bieten quirliges Marketing, welches das Interesse Ihrer Kunden überschäumen lässt.

Voilà, schon hebst du dich ab vom blubbernden Werbe-Einerlei. Und die Chance, im Gedächtnis des potentiellen Kunden zu bleiben, steigt gewaltig.

3. Verbrauchte Metapher = starkes Schlafmittel

Sprachbilder sind etwas wunderbares, sie reißen den Leser mit – wenn sie denn frisch und kraftvoll sind. Mit Wendungen aus dem Seniorentrakt des Sprachbilder-Palastes erreichst du aber genau das Gegenteil:

Wir rollen den roten Teppich für Sie aus und bieten Ihnen maßgeschneiderte Lösungen für Ihre Wünsche.

Und der Kunde rollt mit den Augen, weil er die Metaphern schon x-mal gelesen hat. Er ist gelangweilt oder, noch schlimmer, er fühlt sich verladen und – klickt weg.

Am überzeugendsten sind neue, sprich selbstgemachte Metaphern und Vergleiche, am besten noch mit einer Prise Humor. Zum Beispiel wie hier:

Wir kümmern uns von A bis Z um Ihre Wünsche – und Sie können sich um das Handtuch auf dem Liegestuhl kümmern.

Bekannte Redewendungen solltest du in deinem Business-Text grundsätzlich nicht benutzen. Sie sind stets eine Schlaftablette für den Leser. Aber: wandle populäre Redensarten ab! Das gibt dem Leser einen kleinen Stromstoß. Ein schönes Beispiel fand ich auf der Webseite einer Marketing-Agentur:

Wir haben manchmal auch verrückte Ideen – aber stets alle Tassen im Schrank.

Merke: abgeleierte Bilder sind das Dosenfutter der Schriftsprache. Versorge deine Kunden stattdessen mit frischem Sprachbilder-Grün. So machst du ihnen Appetit auf dein Produkt und deine Leistungen.

4. Modalverben und andere flache Tu-Wörter

Modalverben wie können, müssen, sollen, dürfen geben den Modus, die Art und Weise an, in der eine Handlung geschieht. Sie bezeichnen das „wie“ einer Aktion. Ist das im folgenden Beispiel der Fall?

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Du hast es sicher schon erkannt: nein. Hier verwaschen die Modalverben als Höflichkeitsfloskeln nur die klare Aussage. Ohne, dass sich der Inhalt ändert, kannst du genauso gut schreiben:

Das interessiert Sie? Dann melden Sie sich an!

Anderes Beispiel:

Wir sind ein starkes Team, um dich optimal unterstützen zu können.

Ohne Modalverb gleiche Aussage, aber viel knackiger:

Wir sind ein starkes Team, um dich optimal zu unterstützen.

Wenn du dabei bist, ein Modalverb zu verwenden, solltest du dich immer fragen: ist das für die Aussage nötig? Denn 60 % der Modalverben sind in Texten überflüssig.

Merke: sinnlose Modalverben verwässern dein ganzes Schreibprodukt, es verliert an Aroma.

Das Gleiche gilt für das Verb sein. Natürlich ist es als Hilfsverb fürs Perfekt oder Passiv unentbehrlich, ja, aber sein als Vollverb ist stets unlebendig und bleibt allgemein, so wie hier:

XY ist eine innovative Marketing-Strategie.

Besser und lebendiger:

Mit den Wahlmöglichkeiten von XY bereiten wir in kurzer Zeit den für Ihre Marke passenden Online-Auftritt vor.

Auch zu viele blaue Wörter (nach H.-P. Förster) können den potentiellen Kunden abschrecken. Dazu dieses Beispiel:

Als Marketing-Agentur analysieren wir die Maßnahmen permanent auf ihre Effizienz und konzeptionieren gegebenenfalls neue Strategien.

Uiih, hier bekommt der Kunde ja einen Kälteschock! Warum? Weil der Satz voller blauer, sprich kalter Wörter ist, dazu gehören analysieren und konzeptionieren. Diese Verben sind von Fremdwort-Substantiven abgeleitet und klingen außerdem noch arg umständlich. Wir formen deshalb so um:

Als Marketing-Agentur untersuchen wir die Maßnahmen stets auf ihre Wirksamkeit und entwerfen gegebenenfalls neue Strategien.

5. Wenn der Unternehmenstext an Blähungen leidet

Es ist immer das gleiche: auch Wortblasen rutschen uns schnell mal in die Tastatur und blähen den Unternehmenstext auf. Höchst beliebt und höchst inhaltsleer ist das Wort Bereich:

Im Bereich der Technologie ist unser Produkt ohne Konkurrenz.

Weg mit dem Laberitis-Virus :

In der Technik ist unser Produkt ohne Konkurrenz.

Noch ein neulich entdecktes Beispiel:

SEO ist ein stark ausdifferenzierter Themenkomplex im Bereich des Suchmaschinenmarketing (SEM).

Jaaa, was will der Webseiten-Texter hier wohl sagen? Nur nebenbei: der Kunde wird sich diese Frage nicht stellen, sondern wegklicken. Lass deshalb alles Überflüssige weg: das Adjektiv stark, die Vorsilbe aus-, den -komplex und den Bereich und du erhältst einen Satz ohne schlechte Luft:

SEO ist ein differenziertes Thema im Suchmaschinenmarketing (SEM).

Geht sogar noch verständlicher für den Kunden:

SEO ist ein facettenreiches Thema im Suchmaschinenmarketing (SEM).

Fazit:

Du möchtest, dass der Kunde aufhorcht? Dann reih dich nicht in die Herde der üblichen Unternehmenstexte mit ihrem nervigen, nichtssagenden Marketing-Sprech ein. Damit schlägst du dem Kunden die Tür vor der Nase zu. Mit eigenen, gut überlegten Formulierungen, die dem Leser die gewünschten Informationen geben, schaffst du Businesstexte, die verkaufen.

Autorin des Gastbeitrages:
Mein Name ist Dr. Gabriele Frings. Ich bin Schreibtrainerin, Autorin und Publizistin. In meinem Blog findest du fundierte, wertvolle Schreibcoaching-Tipps, die dich in deinem Online-Business voranbringen.

 

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Erst deine Persönlichkeit macht dein Business einzigartig. Ich begleite Einzelunternehmer durch den gesamen Prozeß auf ihren Weg zur #Lieblingsmarke. Von der Markenberatung, über Schreib-Coaching bis hin zur fertigen Webseite bekommst du alles aus einer Hand.

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