Nichts beflügelt so sehr, als den angestaubten Vorstellungen wie ein Schiff, das auf Weltreise geht, zu zuwinken. Jahrzehntelang habe ich geglaubt, ich habe keine Geduld für Rezepte, die länger als siebenundzwanzig Minuten dauern. Blöd nur, dass ich gerne Bio-Fleisch in sämigen, dunklen Saucen genieße. Dazu gehört auch der Gulasch, den meine Oma Auguste immer sonntags im tiefsten Westfalen für die ganze Familie gekocht hat.
Am Freitag im Bio-Markt war ich es satt. Also ich war satt. Von mir. Diese ewige Geschichte, die ich mir erzählte, langweilte mich nicht nur zu Tode, sondern machte mich so wütend, dass ich mit geballter Faust an der Fleischtheke stand.

Ich will ein Pfund Bio-Gulasch. Kaufen.

Statt länger in meinen überholten Glaubenssätzen zu schmoren, schmiss ich siegessicher den Gulasch, Zwiebeln, Paprika, Rinderfond und das Zaubergewürz „Garam Masala“ in den Einkaufskorb. Zuhause habe ich ein einfaches Rezept aus dem Internet heruntergeladen, um mir am nächsten Tag zwei Stunden Zeit für meinen ersten Gulasch zu nehmen. Mein Mantra: „Ulrike kann Gulasch.“

Schon beim Kochen und zwischendurch probieren, schmeckte mir die Sauce so gut, dass ich das Fleisch hätte weglassen können. Während ich nachts beruhigt in meinem Bettchen schlief, konnte ich meinen Gulasch getrost ziehen lassen.
Du ahnst es bestimmt. Wem galt morgens beim Aufwachen mein erster Gedanke?

Wie geht es meinem Gulasch?

Zwei Tage hat mir mein erster Gulasch gemundet und allen, die mir in dieser Zeit begegnet sind, habe ich davon mit leuchtenden Augen erzählt. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sich Gulasch für den Small Talk eignet.

Nicht so lange im eigenen Saft schmoren

Was hat mein Gulasch mit dir zu tun? Mit dieser kleinen Anekdote streue ich Salz in deine Sabotage-Wunden (und ich meine natürlich auch). Welches Verhalten bringt dich in deiner Solo-Selbständigkeit so richtig auf die Palme, weil du dir immer wieder dieselbe Geschichte erzählst, die kein Happy End findet. Hier ein paar O-Töne aus meiner Arbeit mit Kunden:

  • Akquise finde ich saublöd.
  • Ich kann nicht schreiben.
  • Ich bin überhaupt nicht kreativ.
  • Diese höheren Preise zahlt doch eh kein Schwein.
  • Facebook ist nix für mich.
  • Ich darf mich nicht von Kunden trennen.
  • Geld interessiert mich nicht.
Diese Liste kannst du in deinem stillen Kämmerlein fortsetzen und dich fragen, wie oft du deine ausgelaschten Gehirnsynapsen für Lösungen benutzt. Nach dem Motto: „Das haben wir – also ich und mein Gehirn – seit der Steinzeit so gemacht.“

Mit dieser Denkweise begrenzen wir uns selbst sehr stark und sabotieren unsere eigene Entwicklung. Konkret sieht das in meinem Beispiel so aus:

Mein negativer Glaubenssatz lautet:
Ich habe keine Geduld für Gerichte, die länger als 27 Minuten dauern.

Mein Glaubenssatz begrenzt mich wie folgt:
Ich verzichte auf leckere, sämige Saucen und neue Geschmackserlebnisse. Ich kann ja nicht ständig auswärts essen gehen oder darauf warten, das mich jemand zum Gulasch einlädt. Und meine Lieblingsoma weilt nicht mehr auf dieser Erde. 🙁

Was möchte ich ändern:
Ich möchte mit einem simplen Rezept starten und mir am Wochenende sehr viel Zeit für meinen ersten Gulasch-Aufschlag nehmen. Dafür verwandle ich meine Küche in ein feines Kochstudio, als wäre ich eine Instagram-Foodbloggerin.

Welcher positive Glaubenssatz hilft mir dabei:
Ulrike kann das!

Um nicht mehr länger im Saft des ewig Gestrigen zu schmoren, benötigen wir folgende Zutaten:
1. eine intrinsische Motivation (leckere Sauce)
2. die konstruktive Wut auf uns selbst (Scheiße, ich will Gulasch.)
3. einen Plan (das Rezept)
4. das Tun (Kochen)
5. die Belohnung (leckerer Gulasch)

Durch die Wiederholung der einzelnen Schritte von eins bis fünf kommt langfristig die Veränderung. Natürlich ist dieses Modell stark vereinfacht und dennoch bringt es die Tatsachen schnell auf den Punkt.
In diesem Selbstversuch habe ich zum Glück ein Erfolgserlebnis gehabt. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn ich „gescheitert“ wäre. Aber gehört nicht das Scheitern zum Erfolg dazu?

Was möchtest du Neues ausprobieren? Vielleicht mit neuen Rezepten deine Marke auffrischen! Entweder im E-Mail-Ping-Pong oder im 1:1 Coaching.

Wir lesen uns,

dein Ulrike

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