Meine #LieblingsMarke Jochen Mai

2010 habe ich als Business-Coach mit meinem geschäftlichem Blog gestartet. Ganz unter uns: Ich habe alle typischen Anfänger-Fehler gemacht. Weder hatte ich ein klares Blogkonzept noch wusste ich wie ich für den Leser und nicht an ihm vorbei schreibe. Meine Schreibe schwankte zwischen expertenmäßig trocken oder spirituell schwurbelig.
In einer Sache war ich aber schon richtig gut, ich war leidenschaftlich bei der Sache und wollte unbedingt wissen, wie Bloggen funktioniert.
Aus diesem Grund habe mir 2011 in der ehemaligen Coworking Garage Bilk einen Vortrag von Jochen Mai angehört, in dem er als Gründer und Herausgeber seinen Blog „Karrierebibel“ vorgestellt hat. Gelernt habe ich von ihm, dass neben der Freude am Schreiben vor allem eine gehörige Portion Ausdauer und Hartnäckigkeit zum Bloggen dazu gehört.

Auch in diesem Telefoninterview wird Jochen nicht müde diesen Zusammenhang immer wieder zu predigen:
„Es ist eine Illusion, gleich von Beginn an als Star-Influencer mit Laptop auf dem Schoß in der Hängematte auf Bora Bora zu liegen und das Passiveinkommen aus dem Blog sprudelt nur so in die Kasse…
Ich selbst habe mein Blog auch erst viele Jahre aufbauen müssen – parallel zu einem Führungsjob mit 10 Stunden am Tag. Anfangs ist da viel privates Geld und noch mehr Freizeit reingeflossen. Man sieht am Ende immer nur den Erfolg, aber nicht die lange, harte Arbeit davor.“

Die Arbeit hat sich gelohnt: Jochen und sein großartiges Redaktionsteam erreichen nach zehn Jahren mittlerweile 3,6 Millionen Leser im Monat. Wow! Was für ein Erfolg!

Die Fragen an meine #LieblingsMarke:

Dein Business als Schlagzeile auf der ersten Seite … was stünde da?

Alles, was Sie über Erfolg wissen müssen – alles, was Menschen im Beruf hilft.

Und etwas ausführlicher?

Der Name „Karrierebibel“ ist ja praktisch Programm. Wenn man es wörtlich nimmt: Wir machen – und das ist auch wirklich unser Anspruch – ein vollumfängliches Werk über berufliche Karriere und Erfolgsregeln. Das ist natürlich trotzdem keine heilige Schrift – manche Regeln verändern sich mit der Zeit. Wer nach dem Sinn des Lebens sucht, sollte besser die richtige Bibel lesen. Das sage ich auch als überzeugter Christ und regelmäßiger Bibelleser.
Oder knackiger formuliert: Die richtige Bibel gehört unters Kopfkissen, die Karrierebibel kannst du auch als Klo-Lektüre auf das Gäste-WC legen.

„Ich mache mein Ding“, sagen viele Selbstständige. Was heißt das denn für dich? – Und weil wir gerade dabei sind: Erzähl uns doch auch gleich, wie du „Erfolg“ definierst.

Ich fange mit der letzten Frage an, die ist schneller beantwortet. Erfolg bedeutet, seine eigenen, selbst gesteckten Ziele zu erreichen.

Was für einen Erfolg ist, muss jeder selbst definieren. Dabei geht es immer um eigene Ziele,  nie die von anderen. Das hat nicht zwingend etwas mit dem Job zu tun, und schon gar nichts mit dem Einkommen. Das ist ja allenfalls die Folge von Erfolg, aber nicht dessen Ursache.
Wer also zum Beispiel für sich entscheidet, seinen Söhnen eine glückliche Kindheit zu ermöglichen und das auch erreicht, der ist absolut erfolgreich. Wer sich das Ziel steckt, ich im Jahr dreimal Urlaub machen zu können und das schafft, der ist erfolgreich. Und so weiter.
Um also auf die erste Frage zurückzukommen: Wer „sein Ding“ macht, erreicht – hoffentlich – die Ziele, die er oder sie sich selbst gesteckt hat.
Für mich bedeutet das unter anderem, die Freiheit zu haben, das machen zu können, was mir wichtig ist, was mich interessiert und anderen Menschen wirklich hilft. Das ist ein Weg, der durchaus auch steinig sein kann. Aber seit ich mich selbstständig gemacht habe bin ich diesbezüglich extrem frei. Das macht mich enorm dankbar, zufrieden und entspannt. Ich sage aber auch immer: Selbstständig zu sein, ist – wenn man erfolgreich ist – der Himmel. Aber Selbstständigkeit kann – wenn es nicht gut läuft – ebenso die Hölle sein.

Für mich bist du ganz klar eine Marke. Siehst du dich/dein Business selbst so? – Was braucht es deiner Meinung nach, um zu einer Marke zu werden, die Kunden begeistert?

Ich selber sehe mich nicht unbedingt als Marke. Ich weiß natürlich, dass ich – teilweise – so wahrgenommen werde, weil ich inzwischen eine gewisse Bekanntheit habe. Aber es ist auch nicht so, dass ich auf der Straße erkannt und angesprochen werde. Zum Glück. Das lässt einem viele Freiheiten.

Im Internet, was eine Art Blase ist, stelle ich vermutlich schon eher eine Marke dar, weil ich heute für viele „Mr. Karrierebibel“ oder so eine Art Karriereprophet bin, um beim Bibel-Bild zu bleiben. Mir ist es aber, offen gestanden, nicht wichtig, persönlich eine Marke zu sein. Die Karrierebibel ist eine eingetragene und geschütze Marke, ich selbst bin da eher austauschbar.

Ich hatte dazu vor Jahren mal eine Diskussion mit Klaus Eck, der damals seine Webseiten immer mit seinem Namen verbunden hat, also etwa „Eck-Consulting“.
Er fragte mich damals: Warum nennst du dein Blog und die dazugehörigen Social-Media-Profile Karrierebibel?. Ich habe ihm damals gesagt, dass ich mich zwar als Gründer sehe, aber wachsen können wir nur im Team, mit anderen guten und klugen Autoren. Und ich will nicht, dass die Leute immer nur sagen: Ich will aber nur mit dem Jochen Mai zu tun haben. Oder: Nur das, was der Jochen schreibt, ist klasse und all die anderen können ja nur Praktikanten sein…
Wir sind ein Team! Und ich bin auf mein Team sehr stolz, sonst hätte ich diese tollen Menschen auch nicht eingestellt. Deswegen ist die Marke eben die „Karrierebibel“ und nicht „Jochen Mai“.

Außerdem kann es ja sein, dass ich irgendwann einmal etwas ganz anderes machen will. Dann kann der Aufkleber „Mr. Karrierebibel“ auch zum Handicap werden. Daher bin ich lieber nur der Jochen – und er ist vielschichtig und nicht nur auf Karriere begrenzt.

Aber man nimmt dich doch überwiegend so wahr?

Das kann ich nicht ändern. Zurzeit ist das ja auch meine Profession und Leidenschaft. Letztlich mache ich den Job jetzt schon mehr als 30 Jahre. Ich habe in dieser Zeit viele junge Autoren, Journalisten und Volontäre kennengelernt, die sich ebenfalls für Karrierethemen interessiert haben. Die meisten aber öded das irgendwann an, dann wechseln sie die Themen und Ressorts. Und das ist auch völlig okay. Ich selbst habe mich für die Themen allerdings immer begeistert. Bis heute. Damit bin ich mutmaßlich einer der dienstältesten Autoren, der so lange Jahre über diese Themen so regelmäßig schreibt, recherchiert und forscht.
Diese Konsistenz und Glaubwürdigkeit und die damit verbundene Authentizität tragen natürlich enorm zur Markenbildung bei.

Welchen Stellenwert hat das Schreiben für dein Business?

Schreiben ist für mich Lust und Last zugleich. Es gibt ein schönes Bonmot dazu: „Schreiben zu müssen ist die Hölle; geschrieben zu haben, ist der Himmel.“

 Und wie ist das bei dir?
Vielleicht nicht ganz so bipolar. Am Anfang stehe natürlich auch ich vor der leeren Seite. Dann fängt man an zu schreiben. Dazu habe ich in den vergangenen Jahren zwar meine persönlichen Techniken entwickelt, um gelegentliche Schreibblockaden zu überwinden. Aber einfach loszuschreiben, Gedanken zu sortieren und in kompakte Worte zu kleiden, kann anstrengend sein.
Wenn man dann hinterher einen fertigen Artikel vor sich hat, der sich auch noch richtig gut liest, alles drin hat und viel Nutzwert bietet, dann ist das unglaublich befriedigend. Blöd ist dann allenfalls, wenn Leser dazu lediglich den einzigen Tippfehler bemerken und nicht die vielen guten Gedanken darin.

Es wird ja immer empfohlen, dass man so schreibt, wie einem der Schnabel gewachsen ist – wie siehst Du das?

„Ja“ und „Nein“. Also zum einen ist es wichtig, dass man beim Schreiben authentisch bleibt und seinen eigenen Stil findet. Aber das suggeriert vielleicht ein bisschen, dass man für sich selber schreibt. Wer aber öffentlich schreibt, der schreibt für andere – seine Leser. Daher ist es schon wichtig, auch so zu schreiben, dass die Worte die Leser berühren. Sie müssen den Artikel nicht nur mit dem Kopf verstehen. Deswegen ist es sicher nicht verkehrt – es mal mit Luther zu sagen -, dem Volk aufs Maul zu schauen. Es gibt nichts Schlimmeres für den Leser, wenn der sich bei oder nach der Lektüre doof fühlt, weil er oder sie nur die Hälfte versteht.

Bei der WirtschaftsWoche hatten wir zu meiner Zeit immer die Regel: Schreibe so, dass dich Oma Kasupke aus Wanne-Eickel versteht, aber der Professor an der Uni in Köln ernst nimmt.

Gerade in den ersten Jahren der Selbstständigkeit macht man ja oft mal komische Dinge oder gerät in peinliche Momente: Mit welchem Schwank aus deiner Business-Jugend würdest du mich zum Lachen bringen?

(Lacht) Och, da gibt es bestimmt einige. Eine Geschichte aus meinen Anfängen bei der Wiwo fällt mir aber sofort ein. Die führte zu einem klassischen „Come-to-Jesus-Meeting“.

Ich war noch nicht lange im Job als Redakteur und schrieb unter anderem viel über das Thema Venture Capital. In der Redaktion selbst gab es keinen Dresscode – wir trugen alle Jeans und Pulli oder auch T-Shirts. Auf Außenterminen aber galt Anzugpflicht.
Leider war mir das am Anfang noch nicht ganz bewusst. Und so hatte ich lediglich einen informellen Termin bei einem Venture-Capital-Stammtisch in München und bin da – ein bisschen Steve-Jobs-mäßig – in Jeans und Rollkragenpulli aufgeschlagen. Zwar schon ein schicker Pulli, aber eben kein Anzug. Es war ja auch nur ein Stammtisch. Immerhin: Es war auch ein Fotograf dabei, um die Granden der VC-Szene zu porträtieren. Mein Verhängnis übrigens.
Denn es gab bei der Wiwo damals auch die Rubrik „Einblick“ ganz vorne. Wenn der Chefredakteur also mal keine Kolumne schrieb, gab es dort Impressionen aus dem Redaktionsalltag und von Redakteuren auf Dienstreisen. Ausgerechnet in der Woche wollte der Chefredakteur einen Einblick – und außer mir war auch prompt keiner unterwegs.
Es kam also, was kommen musste: Der Chefred fragte: „Der Mai war doch in München, gibt es Bilder davon?“ Und die Bildchefin sagte: „Klar, war da ein Fotograf dabei.“ Tja, und dabei fiel dann auf, dass ich nur Jeans und Rollkragenpulli auf dem Termin erschienen war.
Ich wurde zum stellvertretenden Chefredakteur zitiert, der hat mir die Leviten gelesen – also besagtes Come-to-Jesus-Meeting – und weil die Redaktion dieses Foto mit Anzug benötigte, musste ich auf der Stelle einen neuen Termin mit ein oder zwei von diesen Venture-Capitalists in München machen, dorthin fliegen und nochmal ein Foto für den Einblick nachstellen. Damals hatten Redaktionen noch Geld für solche Aktionen. Ich glaube, die Strafexpediton hat damals mehr als 1000 Euro gekostet. Der teuerste Einblick ever. Und sehr peinlich für mich.

Die Marke hörbar machen. Wenn dein Lieblingsmusiker deiner Marke einen Song widmen würde? Was würden wir dann hören? Heavy Metal, Popsong oder Schlager? Und welche Zeile darf auf keinen Fall im Song fehlen?

Ich höre am liebsten Jazz oder Klassiker wie die Eagles. Meine liebste Zeile wäre: „Karriere ist, was du draus machst.“ Und: „Wer etwas will, findet Wege; wer etwas nicht will, findet Gründe.“

(Bildnachweis: Jürgen Silius)

 

Mehr zu Jochen Mai  – Keynote-Speaker, Hochschul-Dozent, Berater und Trainer sowie Geschäftsführer und Chefredakteur von karrierebibel.dekarrierefragen.de und  karrieresprung.de – findet Ihr im Netz.
 Danke, lieber Jochen für dieses Telefoninterview und an dieser Stelle alles Liebe zum zehnjährigen Jubiläum!

 

Personenmarke

#LieblingsMarke

#LieblingsMarke ist Ulrikes Kolumne.
„Du bist meine #‎LieblingsMarkeDu bereicherst mein Leben. Macht’s es bunter, lustiger, vielfältiger. Ich lerne neue Dinge von dir, die du gerne im Netz teilst. Du zeigst mir den Menschen hinter deiner Website und den Social-Media-Kanälen. Manchmal bringst du mich zum Staunen, zum Weinen oder zum Lachen. Und wenn du mich mal ärgerst, verzeihe ich dir das sehr schnell … Ich möchte dich nicht mehr missen. Meine Leser möchten dich unbedingt kennenlernen. Ich freue mich auf deine Antworten in meinem Blog.“

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Erst deine Persönlichkeit macht dein Business einzigartig. Ich begleite Einzelunternehmer durch den gesamen Prozeß auf ihren Weg zur #Lieblingsmarke. Von der Markenberatung, über Schreib-Coaching bis hin zur fertigen Webseite bekommst du alles aus einer Hand.

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