„Ein. Aus. Atmen. – Loslassen“, haucht meine Yogalehrerin Gisa im Sommerkurs, während mein Bauch im Brett zittert und meine Gedanken abschweifen.
Loslassen hört sich so selbstverständlich wie Atmen an. Es ist aber nicht. Wir Menschen sind komplexe Wesen. Wir kleben an Dingen oder Menschen und schieben gerne alles weg, was uns kleine oder große Schmerzen bereitet.
Loslassen bedeutet nicht das Wegmachen von Gefühlen, die entstehen, wenn wir uns ängstlich, schuldig oder traurig fühlen. Aber wie gelingt es, bodenständig als Einzel-Unternehmerin in diesem trubeligem 2020 loszulassen?

Die Loslass-Matrix für Schnell-Leser

Meine geschätzte Coachin-Kollegin Heide Liebmann hat dazu ein schlaues Buch geschrieben, in dem sie 33 Methoden vorstellt, um mehr emotionale Freiheit im Leben zu bekommen. Heides Ratgeber bietet einen bunten Strauss an unterschiedlichen Übungen. Da wird für jeden etwas dabei sein, der „ganz normal neurotisch“ unterwegs ist. Also ein Buch für dich und mich. 🙂
Wenn es fix gehen muss, gewinnst du einen ersten Überblick mit der Matrix (Seite 148/149). Die Autorin beschäftigt sich mit neun Bereichen: Von Anspannung über Perfektion bis zu belastenden Erinnerungen. Natürlich ersetzt das Buch keinen Therapeuten, aber es ist ein guter Einstieg das Loslassen regelmäßig zu üben. Eines vorweg: Selbst, wenn du die passende Methode sofort findest, bedeutet das immer, diese regelmäßig zu üben. Oder eine neue auszuprobieren.

Meine drei Lieblingsübungen

Besonders gut gefällt mir, dass Heide den Körper mit einbezieht. Mein Standpunkt ist, dass wir alles, was wir über uns denken und fühlen, in jeder Körperzelle speichern. Wir können nicht ohne unseren Körper agieren. Deutlich wird das in unserer Körpersprache, wenn wir ängstlich sind oder uns schämen. Dann machen wir uns klein. Ziehen uns in uns selbst zurück. Schnürt die Angst den Hals zu.
Schon beim ersten Lesen war mir klar, dass meine Lieblingsübung daher eine Bewegungsübung sein wird. „Einfach mal alles abschütteln!“, das klingt verlockend, gerade wenn man viel schreibcoacht.
Diese Übung habe ich in den letzten Wochen jeden Tag als Schreibpause genutzt. Ich denke dabei an den Labrador meiner Schwester, wie er nach einem Bad in der Havel sein schwarzes Fell schüttelt.
Und dann heißt es auch für mich: „Shake your Body, Baby.“ Hände, Füße, Beine, Beckenboden so richtig durchschütteln. Nicht zu vergessen meinen Mikropony. (Übung auf Seite 45). Musikalisch lasse ich mich dabei von diesen beiden begleiten:

Manche Personen behaupten, dass man an der eigenen Werkseinstellung mit 50+ nicht mehr schrauben kann. Haha. Hoho. Zum meinem 50. Geburtstag habe ich nicht nur das „Sie“ in der Kundenansprache abgeschafft, sondern mehr und mehr gelernt, Bewertungen über andere und über mich loszulassen.
Wir erleben uns oder andere in einer Situation und schwuppdiwupp interpretieren wir das, was wir wahr genommen haben. Heide erklärt in ihrem Ratgeber (Seite 42 – 45) ganz unaufgeregt, dafür nicht weniger spirituell, wie dieses Bewertungsradio leiser werden kann.

Wenn du zwischen Wahrnehmung und Bewertung quasi eine Pause schaltest, gewinnst du einen gewissen Abstand, in dem du dich fragen kannst, ob die Bewertung korrekt ist.

Wenn ich heute ungezügelt in diesem Bewertungsmodus feststecke, heißt meine Faustregel: „Immer eine Nacht darüber schlafen.“ Zu 90% gewinne ich man nächsten Tag immer eine versöhnlichere Perspektive auf uns Menschen.

Meine dritte Lieblingsübung beschäftigt sich mit alten Träumen. Ganz unter uns, wenn ich mich hier in meinem Home-Office umschaue, dümpeln einige Träume in meinen Schubladen:
Soll ich mein Expose für ein Ratgeberbuch an einen Verlag schicken? – Oder den konzipierten Selbstlernkurs schreiben und vermarkten? – Arbeiten und Leben an der Nordsee? Hach …
Da nicht gelebte Träume unsere Seele verstopft wie zu viel Kohl im Darm, helfen Heides reinigende Fragen:

  • Was gewinne ich kurzfristig und langfristig, wenn ich meinen Traum wahrmache?
  • Welche Auswirkungen hat es, wenn ich bei meinem Traum bleibe (Auf meinen Körper, mein Wohlbefinden, mein soziales Umfeld etc.)?
  • Was gewinne ich, wenn ich meinen Traum aufgebe?

Heides Fragen (Seite 77 -78) knüpfe ich mir auf jeden Fall zwischen Weihnachten und Silvester vor, um meine alten und neuen Träume auf den Prüfstand zu stellen.

Welche Zutaten du für das Loslassen benötigst

Neben meinen Lieblingsübungen gibt es weitere Gründe, warum ich dir Heides Buch empfehle: Mir gefällt ihre Schreibe. Sie hat für mich genau den richtigen Mix aus Lebensfreude und Tiefgründigkeit – ohne zu viel zu versprechen. Denn als (Schreib-)Coach weiß man, der Methodenmix kann noch so gut sein, der Coachee sollte mitarbeiten. Ohne die richtigen Zutaten gelingt es kaum, Dinge, die einen persönlich belasten, dauerhaft loszulassen:

Mut
Experimentierfreude
Geduld
Die richtigen Anleitungen

Sind diese vier nicht die besten Zutaten, um als Mensch und Unternehmerin durch dieses trubelige, verrückte 2020 zu kommen? 

P.S.
An einem Wunsch klebe ich noch: Ich wünsche Heides Buch eine Hardcover-Version mit edlem Papier, schönerem (Druck-)Layout und einen wunderbaren Platz in vielen, vielen Lieblingsbuchhandlungen.

Das Buch ist als Taschenbuch (158 Seiten, 9,90 Euro) und E-Book (4,99 Euro) erhältlich.

Alle Infos und Links findest du auf der Homepage von Heide Liebmann.

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