Haha, die Queen feiert im Februar ihr 70-jähriges Jubiläum und ich bin am 28.02.2022 25. Jahre selbstständig. Da kommt die Einladung von Carola Heine zur lexoffice Blogparade #lebensgefühl_selbständig gerade richtig.

Traumberuf: Deutsch-Lehrerin?!

„Das also war des Pudels Kern.“
Johann Wolfgang Goethe, Faust

Mit meinem gelben, zerknitterten Reclamheftchen schlief ich abends selig ein. Nachdem ich tagsüber im Deutsch-Leitungskurs „Faust“ vorwärts und rückwärts analysiert habe. Auch die vielen sehr guten Klausuren in diesem Fach haben meine Berufswahl befeuert: „Ich werde Deutschlehrerin.“
Leider war die Wahrscheinlichkeit in den 90er Jahren ziemlich hoch, mit diesem Job arbeitslos zu werden. Stattdessen studierte ich nach dem Abitur BWL, um anschließend als Personalreferentin in der Chemischen Industrie zu arbeiten. Mitarbeiter zu interviewen, einzustellen und zu begleiten hat mir eine Riesenfreude bereitet. Die Betriebsratssitzungen jeden Donnerstag eher nicht.
Nach drei Jahren im Job passierte mir das, was sich keiner wünscht: Aufgrund einer Betriebsübernahme verlor ich meine sichere Anstellung, unterzeichnete einen Aufhebungsvertrag und stellte 14 Tage später fest, dass ich schwanger war.

Erste Krise und Neuanfang als Personal Trainerin

Also war ich jetzt eine arbeitslose, schwangere und anfangs ziemlich frustrierte Akademikerin. „In der Krise liegt nicht nur eine Chance, sondern auch die Möglichkeit, sich von alten Rollen zu befreien“. – „Galt dieser Kalenderspruch auch für mich?“, fragte ich mich, wenn ich mich regelmäßig beim Arbeitsamt melden musste. Jedes Mal kreuzte ich dann auf dem Formular an, dass ich dem Arbeitsmarkt vollumfänglich zur Verfügung stehe – gerade als Hochschwangere. 🙂
Ein Zeitungsartikel in der Hamburger Morgenpost brachte mich 1997 auf die zündende Idee, mich nach der Geburt meiner Tochter als Personal Trainerin selbstständig zu machen. Bereits während meines BWL-Studiums unterrichte ich als Übungsleiterin Aerobic. Obwohl ich früher im Sportunterricht beim Turnen eher eine Niete war: Beim Bock springen konnte ich zum Beispiel nicht die Hände rechtzeitig lösen und blieb dann sitzen. Wie peinlich! Aber in meiner Freizeit bin ich immer eine gute Tänzerin gewesen und liebe es bis heute Menschen, in Bewegung zu setzen.
Bei dem Gedanken an eine Existenzgründung kribbelte es so, als ich würde vom 5-Meter-Brett springen. Außerdem konnte ich die Selbständigkeit zusammen mit meinem damaligen Mann gut mit dem Mutter-Job verbinden. Ich absolvierte die erste Ausbildung als Personal Trainerin, schrieb ein Business-Konzept mit fulminanten schwarzen Zahlen und mailte die Rheinische Post in Düsseldorf an.
Einen Tag später meldete sich eine Journalistin aus der Lokalredaktion bei mir. Sie war gerade aus New York zurückkehrt. Dort war es absolut fancy, sich von einem Personal Trainer oder Trainerin fit zu machen.
Nach dem Interview berichtete sie in der Wochenende-Ausgabe mit einem kompletten Artikel über meine Geschäftsidee und präsentierte mich als erste Personal Trainerin in Düsseldorf. Mit diesem Beitrag gewann ich die ersten Kunden.

Im Rückblick erkenne ich, welche Zutaten diesen Erfolgs-Cocktail so schmackhaft machen:

1. eine gute Idee,
2. zum richtige Augenblick,
3. den Mut zur Umsetzung,
4. die Sichtbarkeit in der Presse
5. und eine Portion Glück.

Erkenntnis: Dieser Mix gilt auch noch heute für jede Gründung oder Selbstständigkeit, wobei die Sichtbarkeit in den Sozialen Medien, der Community-Aufbau und Marketing eine größere Rolle spielt als zu meiner Zeit. Damals in den 90er (vor Facebook & Co) galt bereits eine Webseite als innovativ. 🙂

Die Reichen und die Schönen trainieren

Die Kombination aus Personal Trainerin, Gesundheits-Coach und später eigenem Pilates-Studio ist für mich ein über zehnjähriges Herzensprojekt gewesen. Als „Gala-Leserin“ fand ich (und mein damaliges Ego) es aufregend, den ein oder anderen Düsseldorfer Prominenten, Neu-Reichen oder Millionär mit Jogging, Pilates und mentaler Entspannung fit zu machen. Entweder in den eigenen vier Wänden oder bei mir im Studio.
In dieser Zeit habe ich Wesentliches über die „Reichen“ gelernt. In den wenigsten Villen, die ich besucht habe, besaßen meine Kundinnen ein eigenes (Trainings-)Zimmer. Die Reichen leiden tatsächlich unter der Angst, ihr Geld zu verlieren. Wenn ich dir in diesem Moment einen Extra-Tipps für deine Selbständigkeit mitgeben darf: Sorge immer dafür, dass du ein eigenes Arbeitszimmer hast, was du dir richtig schön einrichtest.
Im Rückblick erinnere ich mich an zwei Meilensteine in meiner Karriere: Als die Sängerin Madonna in Düsseldorf ein Konzert gab, drehte der WDR einen TV-Beitrag in meinem Pilates-Studio und interviewte mich, wie man sich mit 50+ fit hält.
Ein bewegender Augenblick ist auch mein Interview zum Thema Entschleunigung im Format„WDR-Wunderschön“ gewesen – ausgestrahlt Sonntagabends um 20.15 Uhr.
Nach dieser Hochphase wartete 2010 ein persönliches Tief auf mich. In diesem Jahr trennte ich mich von meinem damaligen Mann und ich fühlte immer mehr, dass mich der Beruf als Personal Trainerin auf Dauer nicht mehr erfüllte.

Das Why (als Schreib-Coach) finden

Eine Trennung ist ein ziemlich blöder Zeitpunkt, die eigene Positionierung auf den Kopf zu stellen. Aber genau das ist meine Essenz aus 25 Jahren selbstständig sein: Einen Wendepunkt im Leben sucht man sich nicht wirklich aus. Der ist einfach da und betrifft häufig mehrere Bereiche im Leben. Das fühlt sich nicht instagrammäßig weich gespült an, sondern nur „kacke“ an. Natürlich hast du vorher Entscheidungen getroffen, die dich zu diesem Wendepunkt geführt haben. Oder äußere Ereignisse wie Krankheit, Jobverlust oder Scheidung bringen dich zu dieser Gabelung auf deinem Lebensweg.
In dieser Phase meines Lebens entdeckte ich das Schreiben. Anfangs habe ich nur für mich gekritzelt. In meiner Morgenroutine schrieb ich meine Gedanken nieder und gleichzeitig meinen Kummer von der Seele.
Den reinigenden Effekt des biografischen Schreibens empfehle ich jedem Menschen. Warum? Mit dem Schreiben verbinden wir uns mit unserer Essenz.
Schreiben ist für mich so viel mehr, als nur das Schreiben von Business-Texten. Für mich ist Schreiben ein liebevolles Zwiegespräch mit unseren verschiedenen Persönlichkeits-Anteilen. Die sich mal laut oder mal leise zwischen den Zeilen finden und mir immer Neues über mich erzählen. Dieses Flüstern in der Stille kann ein stabiles Fundament sowie ein zarter roter Faden für deine neue Positionierung werden.
Bis zum beruflichen Schreiben für andere und mit anderen sind dann mehrere Jahre und viele Schreib-Workshops bei meiner „Lehrerin“ Gitte Härter vergangen. Schreiben sowie die Methode Schreib-Coaching ist vor allem auch Handwerkszeug. Boah, was habe ich in manchen Momenten bei Gitte geschwitzt, wenn es mir im ersten Aufschlag nicht gelang, das Plankton für einen Blogartikel zu finden. Harte Schule, aber sehr effektiv.

Heute ist das Schürfen nach des „Pudelskern“ bei Unternehmer*innen meine Mission in meiner Arbeit als Markenfrau und Schreibcoach. Bevor meine Kundinnen sich mit einer Webseite, Landingpage oder ihrem Personal Branding sichtbar machen, startet der Prozess immer von innen nach außen.

Und in jedem Schreib-Coach steckt doch auch eine gehörige Portion Deutschlehrerin, oder?

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Raus mit der Marke! Ich helfe Einzel-Unternehmer:innen beim Schürfen ihrer Personenmarke. Von Markenkern über lebendige (Web-)Texte bis zum bekömmlichen Marketing hin. Fern vom Marketing-Einheitsbrei. Du und ich arbeiten im agilen Schreibcoaching per Mail. Auch berate ich Marketing-Abteilungen bei der Content-Erstellung für Blog, Magazin sowie Webseite.