Wer über sich lacht, kann nicht grübeln.
Hand aufs Herz: Beherrschst du die Kunst der Selbstironie?

Selbstironie beziehungsweise mein Galgenhumor hat mir nicht nur bei Problemen, sondern vor allem in Krisenzeiten oft den Arsch und sogar meine Seele gerettet. Natürlich ist es nützlich, Dinge (therapeutisch) zu analysieren, also komplett auseinanderzunehmen, aber das ist auch sehr anstrengend. Wenn wir Frauen lernen, mit Abstand auf uns und die Dinge zu schauen, schöpfen wir neue Energie und Lebensfreude.

Es gibt zahlreiche Anlässe, warum du als Frau ins Grübeln geraten kannst. Du stehst morgens übel gelaunt vor dem Badezimmerspiegel. Du schaust entsetzt auf deine Ringe unter den Augen sowie auf deinen Hüften. – Du ärgerst dich, weil du im Kreis deiner Freundinnen wieder nicht den Mund aufbekommen hast. Und schwuppdiwupp kreisen deine Gedanken über dein Aussehen, Charakter oder deine Persönlichkeit.
Boah, wenn an solchen Tagen noch ein falsches Wort von Kunden, Kollegen oder Partner dazu kommt. Oder du selbst in ein Fettnäpfchen triffst, weil du in dem wichtigstem Meeting des Jahres dem Finanzvorstand den Kaffee über die weiße Bluse geschüttet hast …
Selbst der Hauch einer komischen Stimmung auf einer Familienfeier bietet dir ein Ein-Meter-Sprungbrett, um in ins Grübeln zu kommen. Am Ende solcher Tage willst du dir als Frau die Bettdecke über den Kopf ziehen.
Wie groß muss wohl die Bettdecke sein, wenn du als Frau von großen Krisen wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Liebeskummer betroffen bist?

Warum das Lachen dich sofort aus dem Grübeln reißt:

  • Es schafft Abstand. Das Problem beim Grübeln ist, dass wir uns reinsteigern. Es heißt nicht umsonst „Gedankenmühle“. Wir drehen uns ständig um das, was vorgefallen ist (oder was wir befürchten) und dabei werden wir immer besser darin, negative Emotionen zu entwickeln, die dann ihrerseits wie ein Schneeball immer größer werden. Wer sich in so einem Strudel bewegt, steigert sich immer weiter rein – aber es ist genau wie in einem Strudel: Wir werden mitgerissen und kommen nicht so ohne weiteres mehr raus. – Was das Gehirn jetzt braucht, ist ein klarer Stop.
  • Ausgeschüttete Stresshormone werden abgebaut 
    Die ständige Beschäftigung mit unseren Problemen oder Ängsten aktiviert im Unterbewusstsein ein altes Ur-Programm aus Flucht oder Kampf. Ein falsches Wort über unser Aussehen, ein peinlicher Vorfall oder ein Fettnäpfchen, in das wir getreten sind, erscheint uns bedrohlich. Und alles, was uns bedroht, verwandelt sich in unserem Kopf in einen „Drachen“, der vor unserer Höhle sind. Am liebsten würden wir vor diesem Drachen weglaufen oder diesen mit unserem weiblichem Schwert bekämpfen.
    Mit jeder Form von Humor oder Selbstironie besiegen wir den „Drachen“ auf pfiffige Art, denn wir beruhigen uns nicht nur selbst, sondern unser Köper schüttet beim Lachen verstärkt Glückshormone aus. 
  • Die innere Anspannung
    Das Problem beim Grübeln ist, dass wir nicht nur mit unserem Kopf grübeln, sondern auch mit unserem Körper. Grübeln hat viel mit Ängsten und Selbstszweifeln zu tun. Alles Gefühle, die die dich als Frau nicht nur kleinmachen, sondern auch eng machen. Alles zieht sich beim Grübeln zusammen: Augenbrauen, Stirn, Hände, Schultern und und und.
    Deine Gedankenmühle  dreht quasi in jeder Körperzelle deines Frauenkörpers. Lachen – in seinen unterschiedlichen Varianten von sanft lächeln, gibbeln, lauthals lachen – ist ein Weg, unsere körperliche Anspannung aus dem Körper herauszuschleudern.
  • Es stärkt unsere seelische Widerstandskraft. Je öfters wir Selbstironie üben, desto besser können wir in Krisenzeiten anwenden.
    Wenn wir stunden-, tage- oder sogar wochenlang über ein falsches Wort, eine Verletzung oder ein Fehlverhalten nicht nur nachdenken, sondern permanent auseinandernehmen, ist uns oft nicht bewusst, dass wir uns selbst damit schwächen.
    Vor lauter Analyse kommt man gar nicht mehr auf den Gedanken, sich selbst etwas Gutes zu tun. Wenn wir üben, das Problem bei kleineren Grübelfallen wegzulachen, können wir es als Frau in Krisenzeiten bewusst für unsere Selbstfürsorge nutzen. Natürlich kannst du nicht Krisen wie Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Liebeskummer mit Zauberhand einfach weg lachen. Doch du kannst als Frau Lachen bewusst als Werkzeug für dein Selbstfürsorge nutzen,
  • Selbstironie, also die Fähigkeit über sich zu lachen, sich nicht so wichtig so nehmen oder sich sogar durch den Kakao zu ziehen.
    Beim Grübeln ist man so mit sich selbst und den eigenen Problemen beschäftigt, dass man darüber vergisst, dass andere Frauen genau dieselben Probleme oder sogar viel schlimmere Probleme haben könnten.
    Da kann der intime Austausch mit den besten Freunden oder dem Partner einen bestärken, sich selbst nicht immer so wichtig zu nehmen. Beim Miteinanderreden stellt man schnell fest, dass jeder von uns in eine ähnliches Fettnäpfchen getreten ist oder ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Menschen, die sich sehr vertraut sind, machen daraus sogar ein Spiel: „Erzähl man von deinem schlimmsten/blödsten Peinlichkeiten.“
    Ganz unter uns: Ich habe als BWL-Studentin versucht, einen kleinen Wasserschaden – verursacht durch eine ausgelaufene Waschmaschine –  mit dem Staubsauger trocken zu saugen. Ich glaube, alle meine Schutzengel müssen im Himmel schenkelklopfend über mich gelacht haben. Der Staubsauger hat das nicht überlebt. Ich schon. 🙂

Unglaublich, aber wahr: Du bestimmst, wie lange du grübeln willst!

Im Universum ist unser Frauenleben nur ein Wimpernschlag. Die Welt dreht sich einfach weiter, während du als Frau Lebenszeit mit Grübeln verschleuderst. Lebenszeit, die du nicht mehr zurückholen kannst. Die radikale Erkenntnis ist, dass es der Welt egal ist, wie lange du grübelst. Du entscheidest, wieviel Lebenszeit du mit denken, grübeln oder analysieren verbringst beziehungsweise inwieweit es für dich nützlich ist.
Selbst bei schweren Krankheiten oder in einer Krise gilt dieses Aussage, auch wenn sich das für manche Leserin „hart anhört“.

Du kannst schrittweise trainieren, dich mit Lachen „rauszureißen“ und lockerer mit dir und dem, was dich grad plagt, zu werden. Aus meiner Erfahrung helfen mir in solchen Augenblicken drei Schritte.

Schritt 1: Schaff die Basis, damit Lockerheit überhaupt machbar ist. 

Zum Frausein gehören alle Gefühle. Wir Frauen dürfen uns erlauben, dass alle Gefühle sein dürfen. Angst, Wut, Selbstzweifel, Scham dürfen einmal gefühlt werden. Wer traurig ist, weil ihr wieder ein blöder Fehler unterlaufen ist, darf weinen.
Wer wütend über ein blödes Wort von seinem Chef, Freundin oder Partner ist, darf wütend sein. Und ich meine hier, so richtig intensiv fühlen oder sogar mit einem „zu-viel-Süßigkeiten-gegessen-Gefühl“ zu übertreiben.
Bei Liebeskummer habe ich mir schluchzend auf meinem Sofa stundenlang die Telenovela „Rote Rosen“ angeschaut. Bei Wut habe ich meinem Kopfkissen ein Veilchen verpasst.
Akzeptieren, dass du als Frau mit Schwächen oder Ängsten „okay“ bist und das was passiert ist, passiert ist. Das sorgt im ersten Schritt für eine entspannte Grundhaltung und einen reinigenden Prozess.

Schritt 2: Lenk die Aufmerksamkeit in Richtung Humor.

Wir Frauen sind in der Lage, unsere Aufmerksamkeit bewusst zu lenken. Wir müssen ja nicht grübeln, sondern wir entscheiden uns, zu grübeln. Sich diesen feinen Unterschied als Frau bewusst zu machen, bringt uns aus der Ohnmacht der Grübelfalle und gibt es unsere Macht zurück.
Manchmal geht das, weil man einer Sache etwas Lustiges abgewinnen kann, doch es hilft auch schon, das Hirn auf humorige Menschen, Situationen, Netflx-Serien lenken, um abzulenken. Sogar das Mundwinkel-nach-oben-ziehen hilft. Selbst, wenn du dir das als Frau am Anfang jeden Tag nur fünf Minuten vornimmst.
Wenn dir das an deinem Arbeitsplatz oder in deinen eigenen vier Wänden nicht so gut gelingt, dann gehe zu Fuß durch dein Kiez oder setze dich in dein Lieblingscafe. Humor zu entdecken, hat viel mit der eigenen Beobachtungsgabe zu tun. Dafür dürfen wir uns für den Moment selbst nicht so wichtig nehmen.
Selbst als ein Familienmitglied vor Jahren im Krankenhaus mit einem Karzinom lag, habe ich versucht, meine Sinne in Richtung Humor zu lenken. Und soll ich dir etwas verraten? Das ist mir für einen kurzen Augenblick gelungen.

Schritt 3: Zieh dich hin und wieder durch den Kakao, wenn dir danach ist.

Kaffee verschüttet, Ketchup auf der weißen Bluse, Laufmasche ….Wir gehen gelassener mit unseren kleinen Missgeschicken um, wenn wir uns als Frau selbst durch den Kakao ziehen können und diese Momente mit anderen Frauen teilen.
Den Witz, das Witzige in einer Situation erkennen, anerkennen und in einen neuen Kontext stellen, den ich selbst bestimme, das macht mich als Frau stärker und eröffnet anderen Frauen, gelassener und damit liebevoller mit sich selbst umzugehen. Wir verbünden uns über unsere Selbstironie mit anderen Frauen, damit bekommt der Satz „Witz, du bist umzingelt„, einen neuen Schwung.
Die „Kakao-zieher-Übung“ stellt für mich immer wieder eine echte Herausforderung dar, daher trainiere ich das nur mit Menschen, denen ich absolut vertraue und zunächst bei kleinen Peinlichkeiten. Auch berücksichtige ich sehr fein, die Grenze zum Sarkasmus. Diese Art von Humor würde mich und meinen Gegenüber nicht stärken.

Wenn meine Lachmuskeln jetzt einen Wunsch frei hätten, dann wünschen sie sich für dich, für alle Frauen und für mich mehr Selbstironie. Sogar in Krisenzeiten.

Haha, hoho …. fangen wir an mit dem Training!

 

 

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